Drei Lernorte

Die pastorale Ausbildung der Nordkirche erfolgt an drei unterschiedlichen „Orten“, an denen auf jeweils eigene Weise Theorie und Praxis aufeinander bezogen werden. Immer geht es darum, die theologischen Themen auf die Anforderungen des kirchlichen Handelns hin zuzuspitzen.


Die drei Lernorte des Nordkirchen-Vikariats


Die Praxisfelder: Gemeinde und Schule

Am Lernort Praxisfeld findet im Verlauf der Ausbildung ein Wechsel statt. Das Vikariat beginnt nach dem Einführungskurs mit der Schulphase, in deren Verlauf bis zu 14 Wochen Religionsunterricht an einer allgemeinbildenden Schule gegeben werden.

Es folgt die Gemeindephase von 19 Monaten. Nun stehen die Begegnungen mit den Menschen der Gemeinde und des Stadtteils, sowie die Anforderungen des Pfarramtes im Vordergrund. Die Vikarinnen und Vikare wohnen in der Gemeinde, nehmen am gemeindlichen Leben teil und gestalten das Gemeindeleben verantwortlich mit.

Nach und nach übernehmen die Vikare kleinere und größere Aufgaben. In wöchentlichen Reflexionsgesprächen erhalten sie Rückmeldungen über ihre Arbeit. So erlangen sie In ihrem eigenen Tempo zunehmend Sicherheit.

Eine gute Lernbeziehung zwischen AnleiterIn und VikarIn ist sehr wichtig für ein erfolgreich verlaufendes Vikariat. Der ehemalige Anleiter (und jetzige Regionalmentor) P. Andreas Riebl hat seine Gedanken zu diesem Lehr- und Lernverhältnis aufgeschrieben.

Die Albe, das weiße Gewand, entwickelte sich aus der antiken Tunika und war in der frühen Kirche das Gewand der Getauften. Über die Ökumenischen Kontakte ist es im 20. Jahrhundert wieder in den evangelischen Gottesdienst (zurück-)gekehrt und hat in nahezu allen Evangelischen Kirchen an Akzeptanz gewonnen. Es erinnert die Gemeinde und den Träger selbst an ihre Taufe und nimmt Bezug auf Luthers Priestertum aller Getauften.


Die Regionalgruppe

Die Regionalgruppe ist der Ort der Supervision der Arbeit und Erfahrungen im Praxisfeld.
Einmal wöchentlich kommen die Vikarinnen und Vikare mit den Kolleginnen und Kollegen Ihrer Teilregion und dem Regionalmentor oder der Regionalmentorin zusammen, um miteinander Ihre Erfahrungen zu reflektieren und an einzelnen Fällen unter Supervision zu arbeiten. Sie stellen sich gegenseitig Unterrichtsentwürfe, Gemeindeprojekte, Gottesdienste, Predigten und Amtshandlungen, Seelsorgeerfahrungen und andere Gespräche vor. In diesem durch Verschwiegenheit geschützten Raum teilen die Mitglieder dieser Gruppe miteinander Schönes und Schweres, Gelungenes und weniger Gelungenes.

Diese gemeinsamen Verarbeitungsprozesse schärfen das pastorale Profil. Die geringe Größe der Gruppe ermöglicht es, miteinander vertraut zu werden und in gewinnbringende Auseinandersetzungen um die Fragen pastoraler Praxis einzutreten. Die Leitung der Regionalgruppe übt die Regionalmentorin aus.

Regionalgruppe


Das Amt des Regionalmentors / der Regionalmentorin

Dieses Amt stellt im Vergleich zum Vikariat in anderen Landeskirchen eine Besonderheit der nordkirchlichen Ausbildung dar. Die Regionalmentorinnen und Regionalmentoren haben die Aufgabe, die Vikarinnen und Vikare auf Ihrem Lernweg durch das gesamte Vikariat zu begleiten. In allen persönlichen und seelsorgerlichen Belangen, die die Vikarinnen und Vikare betreffen, ist er anderen gegenüber zur Verschwiegenheit verpflichtet; dies betrifft auch die Leitung des Predigerseminars und das Dezernat Dienst der Pastorinnen und Pastoren des Landeskirchenamtes!

Neben den wöchentlichen Regionalgruppen hospitiert er oder sie den Religionsunterricht, besucht die Gottesdienste und stellt den VikarInnen seine/ihre Beobachtungen als Rückmeldung zur Verfügung.

In regelmäßigen Abständen beruft die Regionalmentorin Konferenzen für die Anleiter ein, um einen Abgleich mit dem Lernort Gemeinde durchzuführen, und um auch an dieser Schnittstelle die Anliegen und die Erfordernisse der Ausbildung zu sichern.

Regionalmentoren sind ausdrücklich nicht an der Beurteilung und Bewertung in den Berichten des Predigerseminars beteiligt, handeln aber auch dort als Vermittler, falls es im Zuge der Meinungsbildung zu Auseinandersetzungen kommt.


Das Predigerseminar

Das Predigerseminar ist der Ort, an dem die pastorale Praxis auf ihren theologischen Begründungszusammenhang hin befragt wird. Die Kurse im Predigerseminar unterbrechen von Zeit zu Zeit die praktische Tätigkeit in Schule und Gemeinde. Die Studienleitung bereitet die Kurswochen in Abstimmung mit der Regionalmentorin und den Vikarinnen und Vikaren vor und verantwortet die Seminarangebote.

Die Themen der Kurse orientieren sich an den pastoralen Handlungsfeldern (vgl. die Vorstellung der Kurse des Curriculums im Folgenden). Dazu wird auf methodisch unterschiedlichen Wegen um die Grundlagen eines christlichen Handelns, Glaubens und Denkens gerungen. Für manche Arbeitsfelder wie Seelsorge, Predigt oder Gottesdienst gibt es regelrecht „Trainings“. Die Vikarinnen und Vikare finden in Auseinandersetzung mit der eigenen Praxis auf dem Wege theologischer und humanwissenschaftlicher Reflexion ihren theologischen und pastoralen Standort, also eine praktische Antwort auf die Frage: wie will und wie kann ich Pastorin oder Pastor sein - in der Kirche und für die Gesellschaft?

Die Pastorinnen mussten lange darum kämpfen, den Talar und dann auch das Bäffchen tragen zu dürfen. Das Bäffchen – ursprünglich ein Schutz gegen schmutzige Bärte - durften nämlich nur Männer tragen; die Frauen hatten sich mit einem weißen Rundkragen auf ihrem Talar zu begnügen. Quelle: evangelisch.de … Fortsetzung folgt…In der Bibliothek



Titelblatt Reader NW16-18 Näheres über die Kurse und die Rahmenbedingungen erfahren Sie im Vikariats-Reader.