PastorIn in der Nordkirche

Was hat sich geändert, seit es die Nordkirche gibt?

Die Gründung einer neuen Kirche zu Pfingsten 2012 war ein großes Ereignis für die Christinnen und Christen im Norden. Die Nordelbische Kirche (NEK), die Mecklenburgische Kirche (ELLM) und die Pommersche Kirche (PEK) haben sich zur „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland“ zusammengeschlossen. Drei Kirchen mit unterschiedlichen geschichtlichen Wurzeln gründeten eine gemeinsame Kirche. Dazu war (und ist auch weiterhin) sehr viel Kompromissbereitschaft nötig; der Zusammenschluss birgt aber auch eine einzigartige Chance.

Geprägt durch unterschiedliche Erfahrungen

Die 54-jährige Trennung der Ost- von den West-Landeskirchen und umgekehrt hat zu eigenständigen Entwicklungen geführt, die Erfahrungen und Erinnerungen bergen, die für die Gegenwart richtungsweisend werden können. In der Nordkirche bewältigen Christinnen und Christen die Erfahrungen der unterschiedlichen Geschichte in Ost- und Westkirchen nun gemeinsam. Beim Lösen der gegenwärtigen Aufgaben, lernen wir uns sehr gut kennen und erfahren, wie unterschiedlich wir geprägt sind, je nachdem in welchem System wir kirchlich sozialisiert worden sind. Soviel kann man auf jeden Fall sagen: die Nordkirche hat die persönlichen Horizonte erweitert! Pastorsein ist vielfältiger geworden. Die Anzahl der Gemeinderealitäten und ebenso das Spektrum der Rollenerwartungen an Pastorinnen und Pastoren ist größer geworden.

Der Prozess der Angleichung der drei ehemaligen Landeskirchen, wird noch einige Jahre und vermutlich sogar Jahrzehnte dauern. Bei der Angleichung der Sprachen geht es schneller: Einige Bezeichnungen lauten von Beginn an anders, weil sie in der Nordkirchen-Verfassung einen neuen Namen bekommen haben, so z.B. die „Kirchengemeinderäte“, die in Mecklenburg vorher Kirchgemeinderäte und in Nordelbien Kirchenvorstände hießen.

Einerseits… - Andererseits…

„Wer Pastorin oder Pastor (im Norden Deutschlands) ist, muss lernen mit Widersprüchen zu leben!“

Auch als Pastorin: Mit Widersprüchen leben!Auch als Pastorin: Mit Widersprüchen leben! Die Befragung "Pastor/in im Norden", die von Februar bis April 2010 in drei Landeskirchen gleichzeitig durchgeführt wurde, erbrachte zum Teil ein widersprüchliches Bild. Einerseits sind die Pastorinnen und Pastoren im Norden mit ihrer Berufswahl hoch zufrieden aufgrund der hohen Selbstständigkeit im Beruf, andererseits gibt es eine beträchtliche Unzufriedenheit darüber, dass die eigentlichen Aufgaben wie Seelsorge und Verkündigung durch ausufernde Leitungs- und Verwaltungstätigkeit zu kurz kommen.
Einerseits wohnen Pastorinnen und Pastoren überwiegend gern in Pfarrhäusern, andererseits würden viele aber auch sofort in eine Privatwohnung ziehen.
Einerseits sind Pastorinnen und Pastoren eher zufrieden mit dem unmittelbaren Vorgesetzten, andererseits aber eher unzufrieden mit „der Leitung“ überhaupt.

Auswirkungen auf die Ausbildung

In der Nordkirche haben diese Ergebnisse zu einer intensiven Diskussion im Blick auf die Leitungs- und Anerkennungskultur, die Work-Life-Balance und das Leben im Pastorat geführt.
Das Predigerseminar sieht seinen Beitrag darin, diesen Widersprüchen auf den Grund zu gehen und mit seinen Mitteln (also den Mitteln theologischer Reflexion) die zukünftigen Pastorinnen und Pastoren in Stand zu setzen, sich eine eigene Position zu erarbeiten und sie zu ermutigen, diese offensiv in die gemeindlichen und übergemeindlichen Gremien einzubringen und sich an den kirchlichen Entscheidungsprozessen aktiv zu beteiligen.