Der Beruf

Die vielfältigen Aufgaben eines Pastors oder einer Pastorin lassen sich vier Handlungsfeldern zuordnen: GottesdienstSeelsorgeBildungLeitung.

Pastorale Handlungsfelder

Pastorale Handlungsfelder
Leitung
Bildung
Seelsorge
Gottesdienst

Gottesdienst

Zur Kernaufgabe eines Pastors oder einer Pastorin gehört der sonntägliche Gottesdienst. Sie gestaltet ihn als Feier der Gemeinde, und zwar in Zusammenarbeit mit der Kirchenmusikerin, der Küsterin und oft verschiedenen Freiwilligen.

Neben diesen sonntäglichen Gottesdiensten gibt es noch viele weitere Formen von Gottesdiensten oder Andachten (z.B. Trauungen, Beerdigungen, Schulanfängergottesdienste). In jedem Gottesdienst geht es darum, den Ablauf (Liturgie) und die Predigt sorgfältig vorzubereiten und mit der Gemeinde zu feiern. Dabei ist es wichtig, für die jeweilige Situation und die Menschen, um die es geht, aufmerksam zu sein. In der Predigt bringt die Pastorin die Bibel ins Gespräch. Durch die Auslegungen der Bibeltexte können Menschen getröstet, ermutigt, aber auch angefragt und angestachelt werden. Die Bibel ist ein Buch, an dem man sich reiben kann, als Einzelner und in der Gesellschaft.

Vielen Pastoren machen die Gottesdienste besonders Freude, weil sie dabei regelmäßig direkte Rückmeldungen und ganz intensive Kontakte zu den beteiligten Personen bekommen.
Sie erfahren, welch ein großes Vertrauen Menschen ihrem Amt entgegenbringen.

Vielleicht fragen Sie sich: „Wer bin ich, dass ausgerechnet ich von der Kanzel den Menschen etwas zu verkünden habe?“ oder „Wie kann ich diesem Vertrauen der Menschen gerecht werden?“ Viele Pastoren/innen haben erfahren, dass man in dieses Amt hineinwächst. Die Persönlichkeit ist zwar wichtig, aber das pastorale Amt trägt und fördert einen auch.

Seelsorge

Pastorinnen und Pastoren begegnen einem großen Vertrauensvorschuss in der Seelsorge. In ganz unterschiedlichen Situationen wenden Menschen sich an sie. Oft geschieht dies aus Anlass von sogenannten „Kasualien“: Taufe, Trauung oder Beerdigung. Sie sind immer – ob freudig oder traurig – ein Einschnitt im Leben der Betroffenen. Aber auch ganz persönliche Probleme, kleine oder große Fragen, führen Menschen zu ihrer Pastorin. Die Situation einer Person angemessen einzuschätzen, ein Gespräch seelsorgerlich zu gestalten und die spirituelle Dimension glaubwürdig zur Sprache zu bringen, sind daher besondere Erfordernisse dieser pastoralen Aufgabe.

Für die Seelsorge benötigt man deshalb sowohl psychologische Kenntnisse wie auch Fähigkeiten in Gesprächsführung und ein Bewusstsein für die eigene Spiritualität. Die Ausbildung hierfür gibt es auf theoretischer Basis im Studium (Fach Praktische Theologie) und im Vikariat in den Kursen zur Seelsorgetheorie und in den praktischen Besuchswochen in der Kirchengemeinde und im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim, die supervisorisch begleitetet werden.

Bildung

Von großer Bedeutung ist auch die Bildungsaufgabe von Pastorinnen und Pastoren; sie kann sehr unterschiedliche Formen annehmen, je nachdem, ob es sich um Erwachsene, Jugendliche oder Kinder handelt, die dem Glauben auf die Spur kommen wollen.

In der Schule steht das Wissen über den christlichen Glauben und andere Religionen im Vordergrund. In Christenlehre und Konfirmandenunterricht geht es hingegen darum, Kindern und Jugendlichen einen Raum zu bieten, Glauben praktisch zu erfahren, einzuüben, zu hinterfragen und zu durchdenken. Die Kinder- und Konfirmandenarbeit machen die Pastorinnen oft in Zusammenarbeit mit Diakonen oder Gemeindepädagogen. Für Christenlehre und Konfirmandenunterricht gibt es sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Auch für Erwachsene bieten Pastoren Veranstaltungen an, bei denen theologische und existenzielle Fragen zur Sprache kommen.
Ziel ist es, Orientierungshilfen und Anregungen für das eigene Leben zu geben. Hier sind nicht nur theologische Kenntnisse der Pastorinnen gefragt, es braucht auch religionspädagogische Kompetenzen, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit.
Die Kirche als Ganze wie auch die Gemeinde vor Ort ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Eine Pastorin oder ein Pastor hat die Chance, aber auch die Verantwortung, in Dialog zu treten.

Es gibt zahlreiche Formen des Dialogs. Dazu gehören:

  • Der ökumenische Dialog: Gespräche mit Vertretern anderer Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften fördern das gegenseitige Verständnis und helfen, Hürden abzubauen.
  • Der interreligiöse Dialog: Neben dem christlich-jüdischen Dialog gewinnt der christlich-muslimische Dialog und der sogenannte „Trialog“, das ist das Gespräch zwischen Juden, Christen und Muslimen, zunehmend an Bedeutung. Wenn Menschen Vertretern anderer Glaubensgemeinschaften begegnen und lernen, was „die anderen“ glauben, wachsen das gegenseitige Verständnis und der Respekt voreinander.
  • Gesellschaftspolitische Diskussionen: Diese sind wichtig auf allen Ebenen. Von Entscheidungen in einer Kommune, die Auswirkungen auf das Leben in einem Ort haben, über Umweltfragen bis hin zu den Herausforderungen im Umgang mit Menschen, die anders leben – alles fragt die kompetente kirchliche Einmischung.
  • Kulturelle Stimmen: Die Kirche ist selbst Kulturträgerin. Die Kooperation mit kulturellen Einrichtungen ist eine Chance, die existenziellen Fragen und Anfragen des Glaubens ins Gespräch zu bringen.

Solche Gespräche fördern nicht nur die Einsichten in die Glaubenswelt anderer, sie fordern auch von den Christen selbst eine Sprachfähigkeit: Sie lernen zu erzählen, was, wie und warum sie glauben. In diesen Dialogen kommt der Theologin eine besondere Rolle zu. Dabei kann Dialog viel mehr sein als der bloße Austausch von Gesprächsbeiträgen. Auch im gemeinsamen Vollzug von Ritualen oder Feiern eröffnen sich neue Perspektiven aufeinander.

Leitung (Kybernetik)

Die Leitung der Gemeinde mit all ihren Haupt- und Ehrenamtlichen liegt in den Händen der Kirchengemeinderäte. Zu denen gehören auch die Pastorinnen und Pastoren. In vielen Gemeinden ist der Pastor zudem verantwortlich für die Hauptamtlichen (Gemeindesekretärin; Kita-Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen auf dem Friedhof etc). Gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen Mitarbeitenden Gemeinde zu gestalten und zu entwickeln ist in diesem pastoralen Handlungsfeld die herausragende Aufgabe.

Die Kirche steht mitten im gesellschaftlichen Leben. Zum leitenden Handeln von Pastoren gehört es auch, dass sie sich einmischen in öffentliche Debatten. Sie erinnern aktiv an den biblischen – und sehr politischen – Appell zu Recht und Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in unserer Welt.

Der soziale Auftrag der Kirche drückt sich in der Diakonie aus. Für Menschen in Notlagen gibt es ein umfassendes Hilfsangebot. Pastorinnen und Pastoren wirken an vielen Stellen mit: in Bildungszentren, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising, in der Leitung von z.B. Beratungsstellen, Krankenhäusern oder Stiftungen. Ihre geistliche Arbeit ist mit den Aufgaben des Non-Profit-Managements verbunden.

Über die eigene Gemeinde hinaus engagieren sich viele Pastorinnen in gesamtkirchlichen Gremien (z.B. Synode, Konvent, Ausschuss zur Jugendarbeit oder zum Kindergottesdienst).