Berufsaussichten

Wer heute mit einem Theologiestudium beginnt, hat sehr gute Aussichten, nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium und Vikariat in der Nordkirche im Pastorenberuf zu arbeiten.
Gegenwärtig werden 30 Pfarrstellen pro Jahr mit „frischen“ Absolventen besetzt. In wenigen Jahren schon werden durch hohe Pensionierungszahlen (s. Kasten) so viele Stellen frei sein, dass - rein statistisch betrachtet - mit den gegenwärtigen Studierenden nicht alle wieder sofort besetzt werden können. Ab 2018 wird es nach der Personalentwicklungsstatistik einen Pastorenmangel in der Nordkirche geben.
Das war nicht immer so. In den Jahren 2003 bis 2009 war es z.B. der damaligen Nordelbischen Landeskirche nicht möglich, alle ausgebildeten Vikare auf eine der vorhandenen Pfarrstellen und damit in ein Dienstverhältnis zu vermitteln. Vor dem Vikariat staute sich die Gruppe derjenigen, die mit dem Studium fertig waren. Die damals häufigen mehrjährigen Wartezeiten zwischen dem Studium und dem Vikariat gehören inzwischen jedoch der Vergangenheit an.

Wer gegenwärtig den Pastorenberuf anstrebt, nimmt nach dem Studium oder kurz vor dem 1. theol. Examen an einem zweitägigen Bewerbungsverfahren auf einen Vikariatsplatz teil. Das erfolgreich abgeschlossene Vikariat ist dann die allein entscheidende Voraussetzung, um eine Pfarrstelle zu erhalten.

Wechsel der Landeskirche

Die Nordkirche steht mit dieser für den Nachwuchs günstigen Stellenprognose nicht alleine da. Auch die Mehrzahl der anderen Gliedkirchen der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat ausgerechnet, dass es in Deutschland etwa ab 2018 einen PastorInnenmangel geben wird. VikarInnen und Pastoren können frei wählen, in welcher Landeskirche sie langfristig arbeiten möchten. Die Entscheidung sollte möglichst vor dem Vikariat getroffen werden! Aber auch danach ist ein Wechsel möglich.

Rechtliche Information

Die Tätigkeit eines Pastors oder einer Pastorin in der Evangelischen Kirche ist keine Angestelltentätigkeit, sondern entspricht dem besonderen "Dienst- und Treueverhältnis" eines Beamten. Die Kirchen haben vom Staat das Recht erhalten, dem staatlichen Beamtenrecht gleichgestellte Beschäftigungsformen zu etablieren (Kirchenbeamtenverhältnis). Die Landeskirche verpflichtet sich als Dienstherr, den Pastor von der Notwendigkeit zu entlasten, sich den Lebensunterhalt (außerhalb seines Amtes) zu erwirtschaften (Alimentation).
Ähnlich wie bei Referendaren tritt die Vikarin während der zweiten Ausbildungsphase in ein beamtenrechtliches Verhältnis „auf Widerruf“ ein. Nach dem Vikariat wird dies umgewandelt in ein beamtenrechtliches Verhältnis „zur Probe“. Das volle Beamtenverhältnis erreicht ein Pastor etwa drei bis vier Jahre nach seiner Ordination. Zu diesem Zeitpunkt wird ihm oder ihr auch die Bewerbungsfähigkeit zugesprochen, also die Erlaubnis, sich auf jede freie Pfarrstelle zu bewerben.

Alternativen - als Theologin in die Wirtschaft?

Die Kompetenzen, die Sie in Studium und Vikariat erwerben, werden in bestimmten Branchen sehr geschätzt: Unternehmensberatungen, Personalabteilungen, Fort- und Weiterbildungsinstitutionen, soziale und diakonische Einrichtungen, Stiftungen und Wohlfahrtsverbände sind Arbeitsfelder, in denen man ausgebildete TheologInnen trifft.
So führt gelegentlich für einige Theologinnen und Theologen nach einigen Jahren in der Gemeinde, (oder zwischen Studium und Vikariat) der Weg heraus aus der Kirche. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig und haben immer etwas mit den eigenen Begabungen oder mit der persönlichen Berufung zu einer bestimmten Aufgabe zu tun.