Welche Begabungen und Kompetenzen werden gebraucht?

Der Pastorenberuf ist also sehr vielseitig. Entsprechend vielfältig sind die Kompetenzen, die für das Pfarramt nötig sind.

Kommunikation

Pastorinnen und Pastoren sollen in der Lage sein, Menschen jeden Alters und jeder sozialen Herkunft persönlich ansprechen zu können. Dafür muss man sich in andere Menschen einfühlen und die Perspektive seines Gegenübers einnehmen können.

Reflexionsfähigkeit

Diese bezieht sich auf die berufliche Rolle, die kirchlichen Aufgaben und Strukturen sowie die theologischen Aspekte der kirchlichen Arbeit. Die Fähigkeit zur Reflexion bildet die Grundlage bei der Abfassung einer Predigt, bei wichtigen Entscheidungen in der Gemeinde und im Umgang mit Menschen.

Teamfähigkeit

Die Kirche braucht Pastorinnen und Pastoren, die Freude daran haben, wenn unterschiedliche Menschen ihre Fähigkeiten und Interessen zusammentun, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Das Allgemeine Priestertum aller Getauften setzt die Bereitschaft zu Kooperation voraus.

Glaubensfestigkeit?

„Woran merkt man, ob man genügend glaubensstark ist?“ mit dieser oder einer ähnlichen Frage kommen die Teilnehmer unserer Schüler-Informationswochenenden häufig zu uns. Wir verstehen den Glauben nicht als Kompetenz, die man trainieren oder erwerben kann; niemand verfügt über seinen Glauben und kann sagen, ob er im nächsten Moment oder am nächsten Tag noch glauben wird und deshalb ist es auch wenig hilfreich seinen Glauben als stark oder als schwach einzustufen.

„Aber ist denn der Glaube nicht die Grundlage für die Ausübung des Pastorenberufs? So muss ich doch wissen, ob die Grundlage da ist oder nicht!“ An dieser Stelle hilft unseres Erachtens der Blick auf die eigenen Fähigkeiten nicht weiter. Hier ist die Bibel der bessere Ratgeber. Im Gleichnis vom Senfkorn, mit dem Jesus das Werden des Reiches Gottes beschreibt, zeigt sich ein hilfreicher und entlastender Ansatz, der auf die Umkehr der Blickrichtung hinausläuft: Überlass das vertrauensvoll Gott!

Im Dokument Ziel der Ausbildung hat das Predigerseminar beschrieben, welche Handlungskompetenzen für den pastoralen Beruf im Vikariat vermittelt werden.

In der Kirche redet man mit Augenzwinkern auch vom Pastor als der „Eier legenden Woll-Milch-Sau“, einem Nutztier, das man melken, von dem man Wolle scheren kann und das auch noch einen guten Braten abgibt.

Zwei Kompetenzen fehlen in der Aufzählung nämlich noch: Die Fähigkeit, sich gegen übertriebene Erwartungen abzugrenzen und es zu akzeptieren, dass man in der Arbeit auch an die Grenzen seiner Fähigkeiten stößt.

Kann ich das?

Wer Theologie auf Pfarramt studiert, wird sich fragen, ob er oder sie all die Kompetenzen für diesen Beruf erwerben kann. Nahezu alle Pastoren*innen kennen diese Zweifel. Gerade Zweifel geben einem Anstöße zur eigenen Entwicklung. Sie helfen einem, zu vermeiden, dass man unrealistisch „abhebt“ oder blauäugig in die Gemeinde geht.

Eine Möglichkeit, zu überprüfen, ob der Pastor*nnenberuf zu Ihnen passt, ist ein Gemeindepraktikum, in dem Sie selbst Erfahrungen in dem Berufsfeld sammeln und das Sie gemeinsam mit einem Mentor reflektieren und in einer Gruppe auswerten können. Wenden Sie sich dazu an Ihren Kirchenkreis oder an das Mitglied unseres Teams, das den theologischen Nachwuchs fördert: Jil Becker